Erfolgsgeschichten von Stellensuchenden...
Aktuelles Interview
mit Alois Keller, Leiter des Instituts für Schulentwicklung und Beratung an der Pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen
erfolgreichbewerben.ch:
Lieber Herr Keller, vielen Dank für Ihre Bereitschaft, Ihre Erfolgsgeschichte mit uns zu teilen. Bitte erzählen Sie uns kurz, in welcher Funktion Sie momentan tätig sind und wie Sie dazu gekommen sind.
Alois Keller:
Vor einem Jahr erhielt ich von einer Pädagogischen Hochschule den Auftrag, ein Institut für Schulentwicklung und Beratung aufzubauen. Dieses leite ich nun.
Nach über 100 erfolglosen Bewerbungen um Leitungsstellen im Bildungsbereich stand ich davor, eine eigene Firma für Schulentwicklung und Beratung aufzubauen. Businessplan und alle Vorbereitungen waren fertig, als ich zu diesem Vorstellungsgespräch ging. Ich konnte die noch virtuelle Firma vollumfänglich zum Grobkonzept des neuen Instituts umgestalten.
erfolgreichbewerben.ch:
Wie lange waren Sie auf Stellensuche? Wie haben Sie diese erlebt und gestaltet?
Alois Keller:
Ich kündete meine Stelle etwa 14 Monate vor meinem Abgang (Kündigungsfrist 8 Monate), weil sich die strategischen Vorstellungen des Stiftungsrates und uns von der Schulleitung nicht mehr deckten. Zum Abschied genoss ich vier Monate Ferien, die ich noch zu gut hatte. Danach war ich stellenlos. Ich bezog während 13 Monaten Arbeitslosengeld, möglich wären 24 gewesen. Obwohl dieses merklich tiefer war als mein früheres Einkommen, musste sich die Familie nicht gross einschränken, da meine Frau auch Teilzeit arbeitet.
Für mich war diese Zeit eine lebenswichtige Regenerationsphase. Statt 15 Stunden täglicher Arbeit führte ich nun den Haushalt und bewarb mich um Stellen. Ich beendete zuerst meine Nachdiplomausbildung zum Lerncoach, dann besuchte ich einen Weiterbildungskurs der Arbeitslosenkasse für Stellenbewerbungen im Managementbereich und einen Firmengründerkurs.
Ich hatte endlich wieder Zeit für meine Frau, unsere beiden Kinder und mich selber. Ich merkte, wie nahe ich an einer Scheidung und an einem Burnout vorbeigeschrammt war.
Für meine Frau war jede Stellenabsage eine Katastrophe und sie konnte erst mit der Zeit verstehen, wenn ich bei einer Absage sagte: „Anscheinend war es noch nicht das Richtige. Ich muss noch auf etwas Besseres warten und hinarbeiten.“ Rückblickend glaube ich, dass ich vor allem in der Anfangsphase einige mögliche Stellen in Bewerbungsgesprächen selber in den Sand gesetzt habe. Ich war noch nicht reif dafür, weil ich immer noch mit den Führungsverantwortlichen meiner früheren Stelle haderte. Ich hatte erst mit einer Hand losgelassen, die zweite öffnete sich nur langsam.
erfolgreichbewerben.ch:
Welches waren im Nachhinein betrachtet die für Sie relevanten Erfolgsfaktoren?
Alois Keller:
Zeit für mich zu haben. Zehnstündige Bergwanderungen mit mir allein noch vor Morgengrauen. Einen lockeren Tagesrhythmus als Hausmann zu finden und mich intensiv mit jedem interessanten Stellenprofil auseinanderzusetzen. Mir den Blickwinkel potentieller Arbeitgeber anzueignen und mich selbst in meiner Präsentation und Wirkung zu beobachten. Mich bei jeder Stellenausschreibung zu fragen, warum die gerade mich unbedingt als Mitarbeitenden wollen werden. Den Rückhalt in der Familie zu fühlen und zu spüren, wie meine Frau und ich uns wieder neu entdeckten.
Zu sehen, wie andere es schätzen, wenn du ihre Hilfe annimmst und nicht glaubst, immer alles selber können zu müssen. Mit mir und den andern ins Reine zu kommen und zu verstehen, dass ich es unbewusst so angelegt hatte, dass andere mich nicht mehr verstehen konnten. Dass ich jenen dankbar sein konnte, denen ich zuvor die Schuld für meinen Stellenwechsel gegeben hatte, denn ohne sie wäre ich nicht gegangen und hätte die Welt nicht neu entdeckt.
erfolgreichbewerben.ch:
Welche persönlichen Eigenschaften waren für Sie besonders nützlich in dieser Zeit?
Alois Keller:
Mein unerschütterlicher Glaube, dass alles gut kommt. Meine philosophische Neugier, nach andern Denkmodellen zu suchen.
Nie Langeweile zu verspüren. Im automatisierten Ablauf der Hausarbeit die Möglichkeit zum Nachdenken und zur Kontemplation zu geniessen.
erfolgreichbewerben.ch:
Welche Ratschläge würden Sie Stellensuchenden aufgrund Ihrer Erfahrung mit auf den Weg geben?
Alois Keller:
Keine. Man hat wie immer die Wahl, zu entscheiden, wer verantwortlich für sein Leben ist: die Andern oder man selber.
Diese Entscheidung kann einem niemand abnehmen oder durch einen Ratschlag erleichtern.
erfolgreichbewerben.ch:
Lieber Herr Keller, vielen Dank für dieses inspirierende Interview und die Bereitschaft Ihre Erfolgsgeschichte mit uns zu teilen!
Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie für die Zukunft alles Gute und weitere wundervolle Entdeckungen.